Ein ehrliches Brot

So, so. Diese Kamps Brote haben also ein Clean Label. Damit ist nicht etwa gemeint, dass sie von einer schwäbischen Hausfrau auf Hochglanz poliert worden sind, sondern dass ihr Gehalt an Zusatzstoffen maximal gering gehalten worden ist. Also quasi „wahrhaftige“ Lebensmittel.

Wären sie ein Mensch, dann hätten sie wahrscheinlich eine schneeweiße Weste. Sie würden niemals die Unwahrheit sprechen, das Wort „fremdgehen“ wäre ihnen genauso unbekannt wie „Schuld“ und „Sühne“. Sie hätten es aber trotzdem nicht leicht, denn sie wären ja immer zu 100% ehrlich und müssten daher zum Beispiel immer die Wahrheit aussprechen. Jetzt stellen Sie sich mal folgende Situation vor: Die Frau von so einem Clean Label-Brot fragt vor dem Theaterbesuch die einfache Frage „Und, wie findest du mein neues Kleid?“ Das arme Kamps Brot kann ja nur ehrlich antworten und sagt daher mit dem Brustton der Überzeugung: „Grauenvoll, mein Herz.“ Sie ahnen, dass nun das Theater schon vor dem Verlassen des Hauses beginnt… Auch der Gedanke an eine Konversation mit dem Chef lässt das Brot vor Schreck seine Körner verlieren. So könnte der Vorgesetzte unser Kamps Brot rhetorisch fragen, ob es denn ok ist, dass es die Ablage noch heute erledigen muss? Um Folgendes als Antwort zu bekommen: „Nein, ist es nicht. Heute ist Montag und ich hatte schon morgens keine Lust, Sie wiederzusehen. Deshalb werde ich heute pünktlichst gehen, ohne auch nur an die Ablage zu denken.“

Man versteht schnell die Problematik. Und so ist es beruhigend, dass es keine ist – schließlich geht’s hier um Kamps Backwaren. Die aber tatsächlich besser schmecken ohne unnötige Zusätze. Und das ist tatsächlich auch die Wahrheit!